Beginne mit der Arbeit, die tatsächlich anfällt

Im Unternehmen gibt es schnell eine lange Liste möglicher KI-Projekte: Angebote schreiben, E-Mails beantworten, Rechnungen prüfen oder Inhalte vorbereiten. Die Ideen unterscheiden sich aber stark im Aufwand. Ein eindrucksvoller Vorführfall kann im Alltag selten vorkommen, während eine unscheinbare Aufgabe jede Woche mehrere Stunden bindet.

Sammle deshalb zunächst wiederkehrende Arbeit aus einer normalen Arbeitswoche. Notiere, wie oft sie anfällt, wer sie erledigt und was danach vorliegen muss. Beschreibe die Aufgabe als Tätigkeit: „Aus einer Anfrage einen prüfbaren Antwortentwurf erstellen“ ist genauer als „einen KI-Assistenten einführen“. Damit lässt sich später beurteilen, ob die Lösung ihren Zweck erfüllt.

Fünf Fragen machen die Auswahl greifbar

Für den ersten Vergleich brauchst du keine komplizierte Bewertungssoftware. Entscheidend ist, dass alle Ideen anhand derselben Fragen betrachtet werden. Hohe Häufigkeit allein genügt nicht, wenn notwendige Informationen fehlen oder jede Bearbeitung eine andere Entscheidung verlangt.

  • Häufigkeit: Wie viele vergleichbare Vorgänge gibt es pro Woche?
  • Zeitaufwand: Wie lange dauert ein Vorgang einschließlich Rückfragen?
  • Regeln: Sind die üblichen Schritte und Ausnahmen beschreibbar?
  • Daten: Liegen die benötigten Informationen in gepflegten Quellen vor?
  • Prüfung: Woran erkennt eine Person ein richtiges Ergebnis?

Eine feste Abfolge kann der passende Anfang sein

Nicht jede Aufgabe braucht einen Agenten, der selbstständig seinen nächsten Schritt auswählt. Anthropic unterscheidet zwischen vorgegebenen Abläufen und flexiblen Agenten und empfiehlt, mit einer möglichst einfachen passenden Lösung zu beginnen. Für einen klaren Prozess kann eine feste Abfolge leichter zu testen und zu betreiben sein.

Eine mögliche Reihenfolge lautet: Nachricht empfangen, Anliegen erkennen, Angaben prüfen, Entwurf erzeugen, Freigabe einholen. Jeder Schritt hat einen definierten Eingang und Ausgang. Kommt eine Beschwerde oder ein unklarer Sonderfall herein, führt ein festgelegter Weg zur zuständigen Person. Diese Grenze gehört von Beginn an zur Lösung.

Rechne mit dem verbleibenden Aufwand

Ein Beispiel mit frei gewählten Annahmen: Ein Team bereitet 120 vergleichbare Vorgänge pro Monat vor. Bisher benötigt es dafür jeweils zwölf Minuten. Mit einer Automatisierung verbleiben vier Minuten für Kontrolle und Ergänzung. Rechnerisch werden 16 Stunden im Monat frei. Zusätzliche Pflege, Fehlerbearbeitung und Softwarekosten sind darin noch nicht berücksichtigt.

Dieser Vergleich zeigt, welche Größen du messen solltest. Die Bearbeitung endet nicht mit dem KI-Entwurf. Prüfe den gesamten Weg bis zum brauchbaren Ergebnis. Wenn eine Person jeden Text vollständig neu schreibt, wurde möglicherweise ein Arbeitsschritt verschoben, ohne den Gesamtaufwand wesentlich zu senken.

Ein Pilot braucht eine klare Abnahme

Wähle für den Test eine begrenzte Vorgangsart und einen überschaubaren Zeitraum. Lege vorher fest, welche Angaben stimmen müssen, welche Fälle eine Rückfrage verlangen und welche Aktionen ausschließlich nach Freigabe erfolgen. Eine Testliste sollte normale Vorgänge ebenso enthalten wie fehlende Daten und widersprüchliche Informationen.

Vereinbare auch, wer Ergebnisse bewertet. Die Person, die den Prozess täglich nutzt, sieht oft andere Probleme als die Projektleitung. Halte Korrekturgründe fest: falsche Zuordnung, fehlende Information oder unpassender Ton. So wird erkennbar, ob bessere Regeln, bessere Daten oder eine andere Aufgabenwahl nötig sind.

Plane den Betrieb gleich mit

Eine funktionierende Teststrecke braucht für den Alltag einen Verantwortlichen. Jemand muss offene Vorgänge sehen, Änderungen an Vorlagen freigeben und bei einer Störung übernehmen können. Auch die Frage, was bei einem ausgefallenen angebundenen System passiert, sollte vor dem Start beantwortet sein.

Erweitere den Umfang erst, wenn der erste Ablauf nachvollziehbar funktioniert. Neue Kontaktquellen, zusätzliche Sprachen oder weitere Aktionen verändern den Prüfbedarf. Ein kleines Projekt mit dokumentiertem Nutzen liefert eine bessere Entscheidungsgrundlage für den nächsten Schritt als viele gleichzeitig gestartete Versuche ohne gemeinsame Auswertung.

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